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Forschungsprojekt · Invest BW – Innovation IV · 2026–2028

KRITIS3D: Die Perimetersicherung kritischer Infrastrukturen automatisiert bewerten – in 3D.

Zäune, Mauern, Tore und Bewuchs großer Anlagen werden bis heute zu Fuß begangen und mit Fotos und Notizen dokumentiert. KRITIS3D verbindet hochauflösende 3D-Vermessung, 360°-Panoramaaufnahmen und KI-gestützte Erkennung zu einer Prozesskette, die den Ist-Zustand vollständig, objektiv und nachvollziehbar erfasst.

Stand: September 2026

Vierbeiniger Inspektionsroboter mit Panoramakamera läuft entlang des Sicherheitszauns eines Umspannwerks, dahinter ein Sicherheitsingenieur mit Tablet KI-generiert

Was ist KRITIS3D?

KRITIS3D ist ein Verbundforschungsprojekt von Open Experience, Angermeier Ingenieure und dem Fraunhofer-Institut für Physikalische Messtechnik IPM, unterstützt vom Verband für Sicherheitstechnik (VfS). Ziel ist eine automatisierte Prozesskette, die die Perimetersicherung kritischer Infrastrukturen (KRITIS) und von Hochsicherheitseinrichtungen hochauflösend in 3D erfasst, mit 360°-Panoramaaufnahmen ergänzt, per KI auswertet und Betreibern und Sicherheitsexperten als virtuelle Begehung, Grundriss und Risikokarte bereitstellt. Das Projekt läuft von Februar 2026 bis Januar 2028 und wird vom Land Baden-Württemberg im Rahmen von Invest BW – Innovation IV gefördert.

Warum Begehungen allein nicht mehr reichen

Sicherheitsbeurteilungen von Perimetersicherungen werden heute meist von spezialisierten Prüfern zu Fuß durchgeführt. Bei einer Justizvollzugsanstalt, einem Flughafen oder einem Umspannwerk heißt das: viele Kilometer Zaun, viele Perspektiven, viel Ermessen.

  • Aufwendig und teuerGroße Anlagen brauchen Tage für eine vollständige Begehung – und Fachkräfte, die knapp sind.
  • SubjektivFotos und Notizen halten fest, was auffällt. Ob nichts übersehen wurde, lässt sich hinterher kaum prüfen.
  • Nicht vergleichbarZwei Begehungen im Abstand von Jahren lassen sich schwer übereinanderlegen – Veränderungen bleiben unbemerkt.
  • Neue PflichtenMit der EU-Richtlinie zur Resilienz kritischer Einrichtungen (CER-Richtlinie) und dem KRITIS-Dachgesetz kommen auf Betreiber regelmäßige, dokumentierte Risikoanalysen zu – auch für den physischen Schutz ihrer Liegenschaften.

Genau hier setzt KRITIS3D an: Der Ist-Zustand wird einmal vollständig erfasst – und danach am Bildschirm bewertet, verglichen und fortgeschrieben.

Die Prozesskette in vier Schritten

Jeder Partner verantwortet einen Abschnitt – zusammen entsteht ein Demonstrator, der von der Erfassung bis zur Bewertung durchgängig arbeitet.

Hochauflösende 3D-Erfassung

Laserscanning, Photogrammetrie und Mobile Mapping – statisch und mobil, abgestimmt auf das jeweilige Objekt. Alle Daten werden georeferenziert, damit Aufnahmen verschiedener Zeitpunkte übereinandergelegt werden können.

360°-Panoramaaufnahmen

Sphärische Aufnahmen der gesamten Anlage statt Einzelfotos aus einer Perspektive – verortet in Karte und 3D-Modell, Grundlage für den virtuellen Rundgang.

KI-gestützte Auswertung

Neuronale Netze erkennen in Punktwolken und Bildern Zäune, Mauern, Masten und Bewuchs – und Auffälligkeiten wie Löcher, Schäden oder einen Baum, der zur Kletterhilfe wird.

Visualisierung und Bewertung

Grundrisse, Schnitte und Risikokarten, Soll-Ist-Vergleich und Änderungsanalyse zwischen zwei Zeitpunkten – mit Schnittstellen zu GIS, CAD und BIM.

Was Open Experience einbringt

Unser Teilprojekt ist die bildbasierte Seite der Prozesskette: die vollständige Bilddokumentation des Ist-Zustands und der Zugang für die Menschen, die am Ende bewerten müssen.

  • Vollständige BilddokumentationMobile 360°-Panoramakameras ersetzen Einzelfotos, die immer nur eine Perspektive zeigen. Die Aufnahmestandpunkte werden so gewählt, dass nichts fehlt.
  • Verortung in Karte und 3DDie Panoramen werden automatisch in Grundriss und 3D-Daten verortet – per GPS oder über die Erkennung der Umgebung. Ein Klick in der Karte öffnet die Ansicht vor Ort.
  • Virtueller Rundgang mit GefahreninformationVon der KI als kritisch eingestufte Bereiche lassen sich am Bildschirm nachkontrollieren, kommentieren und korrigieren – auch auf dem Smartphone.
  • Datenschutz und IT-SicherheitDaten kritischer Infrastrukturen sind sensibel. Schnittstellen und Speicherung werden von Anfang an darauf ausgelegt.

Die Grundlage dafür ist unsere Plattform für Bau-Fotos, Bau-Mängel und Baudokumentation samt der 360°-Helmkamera DIGIBAU 360 – erweitert um die Schnittstelle zu 3D-Daten, die KRITIS3D schafft.

DIGIBAU 360 kennenlernen

Das Konsortium

Vier Partner aus Wirtschaft, Forschung und Sicherheitstechnik – jeder für einen Abschnitt der Prozesskette. Betreiber und Sicherheitsexperten begleiten das Projekt als assoziierte Partner und bringen den Bedarf aus der Praxis ein.

Open Experience GmbH

Karlsruhe · Projektkoordination, 360°-Panoramaerfassung, Verortung der Aufnahmen in Karte und 3D, virtueller Rundgang, mobile Anwendungen und Datenschutz.

ANGERMEIER INGENIEURE GmbH

Stuttgart · Ingenieurvermessung: hochauflösende 3D-Erfassung mit Laserscanning, Photogrammetrie und Mobile Mapping, Nachprozessierung, BIM-Modelle, Grundrisse, Schnitte und GIS-Schnittstelle.

Fraunhofer IPM

Freiburg · Fraunhofer-Institut für Physikalische Messtechnik: KI-basierte Interpretation der 3D-Punktwolken und Panoramabilder – neuronale Netze, Trainingsdaten, Sensorfusion und robotische Erfassungsplattformen.

Verband für Sicherheitstechnik e.V.

Hamburg · Sicherheitstechnische Expertise im Unterauftrag: Anforderungsanalyse, Auswahl der relevanten Objekte und Gefahren, Bewertung der Ergebnisse aus Sicht der Perimetersicherung.

Gefördert durch

Invest BW – Innovation IV

Gefördert durch das Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Tourismus Baden-Württemberg im Rahmen von Invest BW – Innovation IV, finanziert aus Landesmitteln, die der Landtag von Baden-Württemberg beschlossen hat. Förderkennzeichen BW9_1271/01.

VDI/VDE Innovation + Technik GmbH

Projektträger des Wirtschaftsministeriums für Invest BW – begleitet das Vorhaben fachlich und administrativ über die gesamte Laufzeit.

Häufige Fragen

Was bedeutet KRITIS?

Kritische Infrastrukturen: Anlagen, deren Ausfall erhebliche Versorgungsengpässe oder Gefahren für die öffentliche Sicherheit zur Folge hätte. Das KRITIS-Dachgesetz, seit März 2026 in Kraft, nennt zehn Sektoren: Energie, Transport und Verkehr, Finanzwesen, Sozialversicherung und Grundsicherung, Gesundheitswesen, Wasser, Ernährung, Informationstechnik und Telekommunikation, Weltraum sowie Siedlungsabfallentsorgung. Hochsicherheitseinrichtungen wie Justizvollzugsanstalten fallen nicht unter das Gesetz, stellen aber dieselben Anforderungen an ihre Perimetersicherung – KRITIS3D ist für beide gedacht.

Was ist Perimetersicherung?

Alle baulichen und technischen Maßnahmen an der Außengrenze eines Geländes: Zäune, Mauern, Tore, Zufahrtsschutz, Freiflächen und deren Überwachung. Sie ist die erste Verteidigungslinie einer Anlage.

Ersetzt KRITIS3D den Sicherheitsexperten?

Nein. Die Prozesskette erfasst vollständig und schlägt Auffälligkeiten vor; die Bewertung und die Ableitung von Maßnahmen bleiben beim Fachpersonal – am Bildschirm statt zu Fuß, nachvollziehbar und wiederholbar.

Welche Rolle spielt das KRITIS-Dachgesetz?

Mit dem KRITIS-Dachgesetz setzt Deutschland die EU-Richtlinie 2022/2557 zur Resilienz kritischer Einrichtungen (CER) in nationales Recht um. Betreiber müssen danach regelmäßig Risikoanalysen durchführen und dokumentieren – auch zum physischen Schutz ihrer Liegenschaften. KRITIS3D soll diese Nachweise effizient und objektiv ermöglichen.

Kann ich KRITIS3D heute schon nutzen?

Die vollautomatische Prozesskette entsteht bis Januar 2028 als Prototyp – aber die Bausteine dahinter gibt es schon heute: Mit DIGIBAU 360 und Bau-Fotos dokumentieren Sie Ihre Anlage vollständig in 360°, verorten die Aufnahmen und gehen sie am Bildschirm ab. Wer früh einsteigt, erprobt die neuen Funktionen mit uns an der eigenen Anlage und prägt mit, was der Demonstrator können muss. Sprechen Sie uns an.

Wer kann sich beteiligen?

Betreiber kritischer Infrastrukturen, Sicherheitsdienstleister und Planungsbüros, die Testanlagen oder Anforderungen einbringen möchten. Assoziierte Partner erhalten frühen Einblick in die Ergebnisse.

Sie betreiben eine Anlage mit Perimetersicherung?

Wir suchen Betreiber und Sicherheitsexperten, die den Demonstrator an realen Anlagen mit uns erproben. Sprechen Sie uns an.