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Fachbeitrag

Künstliche Intelligenz am Bau: Stand der Technik statt Schlagwort

Über KI auf der Baustelle wird viel versprochen. Der ehrliche Blick trennt drei Dinge, die heute laufen, von zweien, die aus der Forschung kommen.

Fachbeitrag der Open Experience GmbH. Stand: September 2026

Wo wird KI auf der Baustelle heute eingesetzt?

Produktiv im Einsatz ist KI dort, wo große Mengen an Bildern automatisch ausgewertet werden müssen: bei der Erkennung von Personen und Gesichtern für die datenschutzkonforme Verpixelung, bei der Erkennung relevanter Gegenstände, die von der Verpixelung ausgenommen bleiben sollen, und bei der automatischen Klassifikation von Aufnahmen nach Bauelementen wie Türen oder Fenstern. Weiter fortgeschritten, aber noch aus der Forschung, sind die automatische Erkennung optischer Mängel und die Positionsbestimmung auf der Baustelle.

Rechtsstand: Deutschland (BGB, VOB/B, HOAI). Abweichende Vereinbarungen im Bauvertrag gehen den hier genannten Regelfristen vor.

Was läuft — und was Forschung ist

Die Trennlinie verläuft nicht zwischen einfach und komplex, sondern zwischen Aufgaben mit eindeutiger Antwort und Aufgaben mit Ermessen.

AnwendungStandWas sie leistet
*Personen- und Gesichtserkennung*ProduktivAutomatische Verpixelung, bevor das Bild in die Ablage geht
*Erkennung relevanter Gegenstände*ProduktivMessgeräte und Werkzeuge bleiben von der Verpixelung ausgenommen
*Automatische Bildklassifikation*ProduktivFiltern nach erkannten Kategorien statt nach Dateinamen
*Erkennung optischer Mängel*Aus der ForschungKratzer, Risse und Beschädigungen im Bild markieren
*Lokalisierung auf der Baustelle*Aus der ForschungAufnahmeposition automatisch bestimmen statt manuell setzen

„Aus der Forschung" heißt: im Projekt ESKIMO demonstriert und erprobt, nicht als Serienfunktion verfügbar.

Der unspektakuläre Gewinn: Verpixelung

Die produktiv wertvollste KI-Anwendung am Bau ist keine, über die Vorträge gehalten werden. Baustellenfotos zeigen Menschen bei der Arbeit; ohne automatische Verpixelung ist eine flächendeckende Bilddokumentation datenschutzrechtlich kaum durchzuhalten. Genau das entscheidet aber darüber, ob überhaupt lückenlos dokumentiert wird.

  • Zwei ModiWahlweise werden ganze Personen oder nur Gesichter unkenntlich gemacht — je nach Projektvorgabe.
  • Ausnahmen sind nötigEin Laserentfernungsmesser in der Hand ist ein Beweismittel und darf nicht mitverpixelt werden. Deshalb erkennt das System auch Gegenstände.
  • An der Quelle, nicht späterVerpixelt wird vor der Ablage. Was gar nicht erst gespeichert wird, muss später nicht gelöscht werden.

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Das Projekt ESKIMO

ESKIMO stand für „Entwicklung von Systembausteinen der Künstlichen Intelligenz für eine digitale mobile Wertschöpfungskette für die Bauausführung". Gefördert vom Bundesministerium für Bildung und Forschung, gestartet am 1. April 2020, Laufzeit 24 Monate, Gesamtkosten 2,4 Mio. Euro, elf Partner aus Bauwirtschaft und Forschung — koordiniert von Open Experience. Drei Ergebnisstränge sind für die Bauausführung relevant.

  • Technische QualitätssicherungErkennung optischer Abweichungen wie Beschädigungen, Flecken und Verfärbungen sowie struktureller Unterschiede zum BIM-Modell.
  • Kaufmännische QualitätssicherungLeistungsabgleich zwischen Modell und Realität: Aus regelmäßigen Ist-Aufnahmen lässt sich der Einbauzeitpunkt einzelner Bauteile ermitteln.
  • Intelligente BaulogistikOptimierung von Lagerplätzen und Verfahrenswegen auf und um die Baustelle.

Automatische Mängelerkennung

Davor: digiBau — die Hardware, die es dafür braucht

KI-Auswertung setzt Bilder voraus, die überhaupt entstehen. Im Projekt digiBau (Start 1. Juli 2017, Laufzeit 24 Monate, gefördert vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie, gemeinsam mit der Hochschule Darmstadt) entstand dafür ein modulares System aus Sensor- und Kameramodul auf dem Bauhelm, einer Systemeinheit zur Bild- und Sensorauswertung und einem mobilen „Smart Inspection Cockpit" für die Person vor Ort. Open Experience verantwortete die Software-Bausteine. Aus dieser Arbeit ist der heutige Helmaufsatz hervorgegangen.

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Was KI am Bau nicht leistet

Keine Ursachen

Ein erkannter Riss ist eine Erscheinung. Warum er da ist, klärt ein Mensch.

Keine Verantwortung

Wer einen Mangel zu vertreten hat, ist eine Vertrags- und keine Bildfrage.

Keine Bewertung

Ob eine Abweichung hinnehmbar ist, entscheidet die Fachplanung, nicht das Modell.

Nichts ohne Bilder

Jede Auswertung setzt regelmäßige, verortete Aufnahmen voraus. Fehlt die Erfassung, hilft kein Algorithmus.

Keine Abnahme

Die Abnahme ist ein Rechtsakt zwischen Menschen und bleibt es.

Aber

Alles, was jedes Bild gleich gründlich ansehen muss, ist eine Maschinenaufgabe.

Was das für den Einsatz bedeutet

Wer KI am Bau nutzen will, beginnt nicht bei der KI, sondern bei der Erfassung: regelmäßige, verortete Aufnahmen in vergleichbarer Qualität. Das ist die Voraussetzung für jede Auswertung — und der Teil, der Disziplin verlangt. Rechtlich gilt für den Einsatz die Datenschutz-Grundverordnung, seit 2024 zusätzlich die KI-Verordnung der EU; für die hier beschriebenen Anwendungen ist vor allem die datenschutzkonforme Verarbeitung von Personenaufnahmen relevant.

Die Erfassung als Grundlage

Häufige Fragen

Erkennt die Software Mängel automatisch?

Im Produktivbetrieb nicht. Die automatische Erkennung optischer Mängel wurde im Projekt ESKIMO demonstriert und wird weiterentwickelt. Produktiv arbeiten heute Verpixelung, Gegenstandserkennung und Bildklassifikation.

Werden meine Projektdaten zum Training verwendet?

Nein. Trainingsdaten stammen aus Forschungsbeständen und freigegebenem Material. Projektdaten bleiben im Projekt — das ist bei Baustellendokumentation auch datenschutzrechtlich der einzig gangbare Weg.

Braucht KI eine besondere Kamera?

Nein, aber sie braucht vergleichbare Aufnahmen. Regelmäßigkeit, Beleuchtung und feste Aufnahmepunkte wirken sich stärker aus als die Auflösung.

Was ändert die KI-Verordnung der EU für Bauunternehmen?

Sie ordnet KI-Systeme nach Risiko ein und knüpft daran Pflichten. Für Bilddokumentation mit Verpixelung sind vor allem Transparenz und Datenschutz maßgeblich — der Beitrag ersetzt keine Rechtsberatung.

Ersetzt KI den Bauleiter?

Nein. Sie nimmt ihm die gleichförmige Prüfarbeit ab — jedes Bild gleich gründlich ansehen. Beurteilen, entscheiden und verhandeln bleibt beim Menschen.

Wie fängt man an?

Mit der Erfassung. Ohne regelmäßige, verortete Aufnahmen gibt es nichts auszuwerten — mit ihnen entsteht der Nutzen schon vor jeder KI.

Erst die Aufnahme, dann die Automatisierung.

45 Minuten an Ihrem Projekt: Wir zeigen, was heute automatisch passiert — und was den Unterschied macht, bevor KI überhaupt ins Spiel kommt.