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Fachbeitrag

Wo genau war das? Die Lokalisierung auf der Baustelle

Jede Dokumentation steht und fällt mit der Ortsangabe. Im Rohbau ist genau das die schwierigste Angabe von allen — dort funktioniert kein GPS.

Fachbeitrag der Open Experience GmbH. Stand: September 2026

Was bedeutet automatische Lokalisierung auf der Baustelle?

Automatische Lokalisierung heißt, die Position einer Aufnahme oder einer Person im Gebäude zu bestimmen, ohne dass jemand sie manuell auf einem Plan setzt. Weil Satellitennavigation innerhalb von Stahlbetonbauten unzuverlässig ist, kommen andere Verfahren zum Einsatz: Bilderkennung identifiziert Bauelemente in der Aufnahme und gleicht sie mit dem 3D-Modell ab, ergänzt um Sensordatenfusion. Untersucht wurde das im BMBF-Projekt ESKIMO; produktiv wird heute im Grundriss oder im Modell verortet.

Rechtsstand: Deutschland (BGB, VOB/B, HOAI). Abweichende Vereinbarungen im Bauvertrag gehen den hier genannten Regelfristen vor.

Warum die Ortsangabe das schwächste Glied ist

Zeitpunkt und Urheber einer Aufnahme entstehen von selbst. Der Ort nicht — und ohne ihn ist die beste Dokumentation im Streitfall nicht verwertbar.

  • GPS endet an der FassadeIn Stahlbetonbauten ist Satellitennavigation ungenau bis unbrauchbar — gerade dort, wo dokumentiert wird.
  • Räume sehen sich ähnlichIm Rohbau unterscheiden sich Geschosse kaum. Verwechslungen sind die Regel, nicht die Ausnahme.
  • Kein NetzVerfahren, die eine Verbindung brauchen, fallen auf der Baustelle regelmäßig aus.
  • Nachträglich geht es nichtWas beim Rundgang nicht verortet wurde, lässt sich abends nur raten.

Verfahren im Vergleich

Kein Verfahren löst das Problem allein. Die Praxis kombiniert deshalb.

VerfahrenStärkeGrenze
*Manuell im Grundriss*Robust, sofort verfügbar, ohne ZusatztechnikKostet bei jeder Aufnahme einen Handgriff
*QR-Code am Bauteil*Eindeutig, günstig, offlineSetzt vorbereitete Bauteile voraus
*Satellitennavigation*Im Freien und im Erdgeschoss brauchbarIm Inneren unzuverlässig
*Bilderkennung mit Modellabgleich*Kein Handgriff, funktioniert innenSetzt Modell und Rechenleistung voraus, Forschungsstand

Für die meisten Projekte ist die Kombination aus Grundriss-Verortung und QR-Code heute die belastbarste Lösung.

Wie der Modellabgleich funktioniert

Der Ansatz aus dem Projekt ESKIMO nutzt aus, dass ein Bild mehr enthält als das Motiv: Erkennt ein Algorithmus in einer 360°-Aufnahme Türen, Fenster, Stützen und Durchbrüche, ergibt sich aus deren Anordnung eine Signatur. Diese Signatur wird mit der Topologie des BIM-Modells verglichen — passt sie nur an einer Stelle, ist die Position bestimmt. Ergänzt wird das durch Sensordaten aus dem Helmsystem.

  • Erkennen statt messenNicht die Entfernung wird bestimmt, sondern die Übereinstimmung mit bekannten Bauteilen.
  • Robuste Hardware nötigHandelsübliche Smartphones liefern weder 360°-Aufnahmen noch die Rechenleistung dafür — deshalb das Helmkamerasystem.
  • Offline lauffähigAuf der Baustelle darf kein Verfahren eine Internetverbindung voraussetzen.

BIM in der Bauausführung

Was heute ohne Automatik funktioniert

Die manuelle Verortung ist unspektakulär und erledigt den größten Teil des Problems. In den Apps von Open Experience wird die Position auf dem 2D-Plan gesetzt oder im 3D-Viewer am Bauteil — mit gespeicherter Koordinate und Kameraposition. 360°-Aufnahmen liegen an ihrem Aufnahmepunkt im Grundriss. Damit sind Mangel, Foto und Begehung auffindbar, auch Jahre später.

Der Aufwand liegt nicht im Setzen des Punktes, sondern darin, es beim ersten Mal zu tun statt beim Nacharbeiten im Büro.

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Ortsangaben, die später niemandem helfen

„EG hinten links"

In sechs Monaten ist das keine Ortsangabe mehr, sondern ein Rätsel.

„Wie besprochen"

Der Bezug ist im Kopf von zwei Personen — und in keinem Dokument.

Bilddateiname

IMG_4711.jpg enthält keinen Ort, auch wenn alle das Gegenteil annehmen.

Falsches Geschoss

Im Rohbau die häufigste Verwechslung — und im Nachhinein kaum auflösbar.

Plan von gestern

Eine Position auf einem überholten Grundriss verweist ins Leere.

Besser

Punkt im aktuellen Plan oder Bauteil im Modell — gesetzt in dem Moment, in dem man davorsteht.

Der Stand — nüchtern betrachtet

Die im Projekt ESKIMO entwickelten Verfahren sind erprobt und vielversprechend, aber Prototypen. Für die tägliche Arbeit heißt das: Die Automatik nimmt niemandem die Verortung ab, wohl aber die Technik die Mühe. Wer heute konsequent im Plan verortet, hat morgen die Datenbasis, mit der Automatisierung überhaupt möglich wird — und bis dahin eine Dokumentation, die auffindbar ist.

KI am Bau im Überblick

Häufige Fragen

Funktioniert GPS auf der Baustelle?

Im Freien und im Erdgeschoss meist ja, im Inneren mehrgeschossiger Stahlbetonbauten in der Regel nicht ausreichend genau. Für die Verortung einzelner Bauteile reicht es dort nicht.

Brauche ich ein BIM-Modell für die Verortung?

Nein. Der Grundriss genügt. Mit einem Modell wird die Verortung dreidimensional und damit genauer — und sie ist die Voraussetzung für den automatischen Abgleich.

Wie funktioniert die Verortung ohne Internet?

Plan und Modell liegen mobil vor, die Position wird lokal gespeichert und später synchronisiert. Offline-Fähigkeit ist auf der Baustelle keine Zusatzfunktion, sondern Grundbedingung.

Was bringt der QR-Code am Bauteil?

Er liefert die eindeutige Zuordnung ohne jede Suche: Scannen öffnet die richtige Checkliste oder den richtigen Bauteilbezug. Besonders wirksam bei wiederkehrenden Bauteilen.

Ist automatische Lokalisierung heute verfügbar?

Als Produktfunktion nicht. Sie wurde im Projekt ESKIMO erprobt. Produktiv ist die manuelle Verortung in 2D und 3D — die den praktischen Nutzen bereits zum größten Teil liefert.

Werden dabei Bewegungsdaten von Mitarbeitern erfasst?

Eine Lokalisierung von Aufnahmen ist etwas anderes als eine Ortung von Personen. Wo Beschäftigte betroffen wären, gelten Datenschutz und Mitbestimmung — das ist vor dem Einsatz zu klären, nicht danach.

Eine Ortsangabe, die in fünf Jahren noch stimmt.

45 Minuten an Ihrem Projekt: Verortung im Grundriss, im Modell und per QR-Code — und was davon bei Ihnen am schnellsten trägt.